Der Iseltrail

Genusswandern am längsten noch frei fließenden Gletscherfluss der Alpen

Einzigartige Erlebnisroute durch eine magische Wasserwunderwelt mit individuell wählbaren Teilstrecken – Erkundungstouren ab sofort möglich!

 

Von der sonnigen Dolomitenstadt Lienz im grünen Talboden bis zum arktischen Gletschertor im Nationalpark Hohe Tauern. Von lieblicher Kulturlandschaft in abgeschiedene Alpinwildnis. Immer begleitet vom erfrischenden Ur-Element Wasser, vorbei an Auen, Schotterbänken, Schluchten, Stromschnellen und Wasserfällen: Der neue Iseltrail legt die pulsierende Lebensader Osttirols als Fließband märchenhaft unberührter Naturschönheiten offen. Und Naturbegeisterten eine grandiose Gebirgswelt zu Füßen. Mal besonnen an pittoresken Szenerien vorbeirauschend, mal dramatisch tosend in ungezügeltem Temperament, mal geheimnisvoll gischtend zeigt sich der Fluss mit vielen Gesichtern. Ob Naturliebhaber, Genusswanderer, Wildnisfan oder Hitzeflüchter: Folge deinem Fluss.

Eine durchgehend markierte Wanderroute mit zahlreichen Blickpunkten auf magische Plätze wurde im Sommer 2020 eröffnet. Der Iseltrail nutzt dabei überwiegend bestehende Wege. Alle baulichen Maßnahmen erfolgen behutsam, um die Natur zu schonen. Mit einer Gesamtlänge von 74,19 Kilometern und insgesamt 2169 Höhenmeter bergauf gliedert sich der Iseltrail in 12 individuell wählbare Teilstücke. Begehbar auf dreierlei Art:

  • Öffentliche Busse zu und von den einzelnen Teilstrecken mit einer fixen Unterkunft, kostenlose Nutzung mit der Gästekarte von deinem Vermieter. Solltest du die Gästekarte schon vor der ersten Nächtigung in Osttirol, also am Tag der Anreise benötigen, so melde dich bei uns in der Tourismusinformation Osttirol unter +43 50 212 212 oder [email protected].
  • Wanderung von Teilstrecke zu Teilstrecke mit verschiedenen Unterkünften. Parkmöglichkeiten sind in Lienz gegeben.
  • Wanderung mit Zelt – von Campingplatz zu Campingplatz: 
  • Letzte Etappe: Übernachtung auf der Clarahütte notwendig.

Weitere Informationen

 

Gepäcktransfer: Es steht kein Gepäcktransfer am Weitwanderweg zur Verfügung.
Aktuelle Wettersituation: Osttirol Wetter
Aktueller Wegzustand und Informationen zu Wegsperren: Kontaktieren Sie den jeweiligen Unterkunftsbetrieb oder die Tourismusinformation.

Die Natur-Highlights am Iseltrail

Die Isel ist ein Fließband der Naturschönheiten. 

Die unteren Isel-Strände – Tamarisken-Inselwelt zwischen Lienz und Huben:

Auf dem Weg durch Au-Wäldchen unter der Schirmherrschaft von Grauerlen und entlang von Schotterbänken geben Lücken in der Ufer-Vegetation Blicke auf Strände und kleine Inseln im rauschenden Fluss frei.

 

Lebenskünstlerin
Hier ist das Reich der Deutschen Tamariske. Sie kommt sowohl mit trockenen Schotterflächen als auch mit Überflutungen durch den Gletscherfluss gut zurecht. Nur hier kann sie sich gegen andere Pflanzen behaupten. Solche Pionier-Lebensräume schwinden aber – und mit ihr die Tamariske. Zwischen Mai und August offenbart sie weiße bis rosarote Blüten, ganzjährig entspannendes Grün.

Keine Eile hat auch die Isel. Als gemächlich strömender Tieflandfluss vor Hochgebirgskulisse inspiriert die Isel dazu, das Tempo zu reduzieren. Und gibt einen Lebensrhythmus ganz ohne Smartphone-Zeitmesser vor.


Zeitmesser“ Wasserführung
Charakteristisch für einen Gletscherfluss schwankt die Wasserführung der Isel je nach Tages- und Jahreszeit abhängig von der Schmelzwasserspende. So bedeutet weniger Wasser = Morgenzeit mit noch kühlen Temperaturen auf dem Berg, mehr Wasser = Abendzeit mit Tauwasserflut nach dem Temperaturmaximum auf dem Berg, Wassertiefstand = Winter, Wasserhochstand = Sommer.

Apropos Rhythmus: Bei genauem Hinhören ist ein leises Sirren wahrnehmbar. Gestein marschiert im Flussbett mit und wird durch die Wasserkraft zermahlen. Das Gesteinsmehl verströmt einen eigenen Duft.


Erholsame Verweilplätze
Mußestunden bieten reichlich vorhandene Verweilplätze am Ufer. Im Sommer spenden sie kühlenden Schatten, erfrischendes Gebirgswasser inklusive

Der Daberer Wasserfall bei Schlaiten:

Unterhalb des Bergdorfes Schlaiten hält die Natur eine zauberhafte Inszenierung bereit: Geschützt durch die Steilheit des Geländes hat ein kleines Stück der einstigen Urlandschaft überdauert. Die wild romantischen Kaskaden des Daberer Wasserfalls befeuchten unablässig die schattige Schlucht. Die kühle Nässe lässt einen besonders moosreichen Märchenwald gedeihen. Alte Bäume, urige Moosgebilde und eine artenreiche Krautschicht erinnern ein wenig an eine Landschaft aus einer Fantasy-Geschichte.

 

Gischt-Nebel
Bei starker Wasserführung ist die Luft unterhalb des Wasserfalls mitunter mit einem erfrischenden Gischt-Nebel angereichert, der an sommerlichen Hitzetagen eine herrliche Abkühlung beschert.


Reinigende Aerosole

Wird der Gischt-Nebel intensiv eingeatmet, hat er sogar eine gesundheitsfördernde Wirkung: Die lungengängigen, nanometer-winzigen Wasserfall-Aerosole reinigen die Lunge und stärken das Immunsystem. Allergien und Asthmasymptome können gemildert werden.

 

Die Katarakte von Feld:

Im enger werdenden Tal bei Feld verändert die Isel im Vergleich zum unteren Bereich ihren Charakter. Sie tollt ungestümer und wilder dahin. Weite Schotterflächen säumen schäumende Stromschnellen. Wasser umspült schimmernd das Gestein. Der Iseltrail führt jetzt ganz nah am lebendigen Fluss entlang und vermittelt einen ersten Eindruck der alpinen Isel.

 

Wundersames Blaugrün

Schwebeteilchen aus dem Gesteinsabrieb der Gletscher verleihen dem Wasser im Sommer eine milchig-blaugrüne Farbe. Besonders intensiv ist dieses Phänomen bei hohem Wasserstand an Sommernachmittagen, wenn das Schmelzwasser der Gletscher üppig Richtung Tal wallt.

 

Die Katarakte von Feld sind die erste größere Gefällestufe und Vorboten der kraftvollen Isel im Oberlauf. Im Tosen der Wasserfälle ist das dumpfe Rumpeln und Krachen mächtiger Steine hören, die die Isel mit massiver Wucht zu Tal befördert.
 

Pionier-Lebensräume
Die Isel ist hier kaum noch von Hochwasserschutz-Regulierungen gebändigt und gestaltet daher ihr breites Bett unablässig anders. Die derart immer aufs Neue entstehenden Pionier-Lebensräume sind von seltenen und an diese besonderen Bedingungen angepassten Arten wie der Deutschen Tamariske besiedelt.

 

Der Virgener Katarakt:

Unterhalb von Virgen hat die Wasserwucht der Isel eine wild romantische Schlucht geschaffen, die ein wenig an die Wildnis im weit entfernten Kanada erinnert. Auf dem Weg zum Ursprung der Isel bildet der Virgener Katarakt den ersten großen Wasserfall. Das Schauspiel glitzernder Gischt-Perlen, untermalt von lautem Getöse des Gletscherflusses, der über mehrere meterhohe Steilstufen stürzt, ist mehr als einen kurzen Stopp wert.
 

Farn und Fels im Übermaß
Entlang der flacheren Uferbereiche gedeihen kleine Erlen-Auwälder mit üppigen Farnen. Riesige Felsbrocken liegen im Fluss – die Kräfte von Wasser und Frost haben sie aus dem Gebirge herausgelöst, und Fluten sie hierher transportiert.

 

Lebensraum Totholz
Auf den steilen Hängen der Schlucht wächst ein naturnaher Schluchtwald mit teilweise riesigen Fichten, Eschen und Ahornbäumen. In natürlichen Wäldern gedeihen junge Bäume neben alten. Im Unterschied zu den meisten Wirtschaftswäldern bleibt auch Totholz stehen und liegen. Es ist Lebensraum und Nahrung für Insekten, Vögel, Pilze. Artenreichtum und die Strukturvielfalt machen Naturwälder widerstandsfähiger gegen die Folgen der Klima-Erhitzung.

 

Ein Stichweg inklusive Aussichtsplattform mit Blick auf die schäumende Isel folgt im Laufe des Jahres 2020.  

 

Die Isel-Schlucht bei Bobojach:

Der tief eingeschnittene Canyon zwischen Bobojach und Welzelach ist der größte am Iseltrail. Das unaufhörliche Brodeln, Brausen, Rauschen der tosenden Wasserfälle lassen die gewaltigen Kräfte des Wassers erahnen. In der dramatischen Szenerie steiler Felshänge reiht sich ein Katarakt an den nächsten. In rasantem Tempo wälzen sich gigantische Wassermassen ohne Unterlass dahin.

 

Baum-Methusalems
Die unwirtliche Natur hat in diesem Abschnitt jegliches Bewirtschaften durch den Menschen unterbunden. Ein echtes Stück Wildnis blieb daher erhalten. Beeindruckende Baum-Methusalems haben auf den unbegehbaren Hängen im artenreichen Schlucht-Wald die Jahrhunderte überdauert. Dort finden anspruchsvolle Arten wie Eulen, Spechte oder totholzbewohnende Insekten einen geeigneten Lebensraum. In der Stille lässt sich dem einen oder anderen Ruf von Specht oder sogar Eule lauschen.

 

Rare Einblicke
Wegen Unzugänglichkeit der Schlucht und der beständigen Gefahren durch Steinschlag, Muren und Lawinen konnte kein Weg entlang der Isel angelegt werden. Vom Iseltrail eröffnen sich aber dennoch Einblicke in das faszinierende Wildnis-Paradies: Der Iselsteg bei Welzelach im unteren Schlucht-Abschnitt und ein Sichtpunkt beim oberen Schlucht-Eingang ermöglichen Eindrücke von dieser nach wie vor unberührten Naturlandschaft.
 

Eine zusätzliche Aussichtsplattform mit Schlucht-Blick folgt im Laufe des Jahres 2020.

 

Die Griese (Schotterstrände) zwischen Virgen und Prägraten:

Flachwasserzonen wechseln sich in naturbelassenen Uferbereichen mit felsigen Böschungen ab – vor Prägraten befindet sich ein Badestrand.

Der Zopatnitzen-Wasserfall bei Prägraten:

Der Platz beim Zopatnitzen-Wasserfall wirkt wie der Übergang in eine andere Welt: Steile Felswände, moosiger Bergwald und die Szenerie der immer wieder neu herabstürzenden Wasserfontänen vermitteln eine raue Schönheit. In diesem Seitental bei Prägraten schießt der Zopatnitzen-Bach durch eine steile Waldschlucht. So ist der Felskessel darunter stets von einem erfrischenden und gesundheitsfördernden Wassernebel erfüllt.

 

Tröpfchen-Dusche

Dieser Wassernebel bietet eine angenehme Abkühlung an sommerlichen Hitzetagen. Die Wasser-Tröpfchen sind wunderbar exklusive Durstlöscher auf der Zunge und haben zudem eine heilsame Wirkung: Die lungengängigen, winzigen Wasserfall-Aerosole reinigen die Lunge und unterstützen das Immunsystem. Das wiederum kann Allergien und Asthmasymptome mildern.

 

Ein neuer Stichweg führt mit Juli 2020 geradewegs zu diesem magischen Ort.

 

Die Glo-Schlucht bei Hinterbichl/Ströden:

Der Iseltrail bietet auch eine „Neuentdeckung“, die durchaus mit den berühmten Umbalfällen im oberen Iseltal vergleichbar ist: die grandiose Glo-Schlucht. Den wilden Wasserfall-Canyon gibt es zwar schon seit Urzeiten. Bisher hielt er sich aber, verdeckt durch die Felsabstürze, versteckt. Lange unerreichbar für Menschen hat sich in dem von brüllenden Wassern beherrschten Schlund ein kleines Stück ursprüngliche Schöpfung erhalten.
 

Ungezügelte Naturgewalt
Der nahezu senkrechte Riesen-Felsspalt, in dem ungezügelte Naturgewalten toben, beherbergt eine verborgene Welt. Die Wassermassen der Isel donnern hier über zwei große Stufen dem Schwarzen Meer entgegen und schleudern immense Mengen von Gischt in die Luft.

 

Schillerndes Farbenspiel

Bei starker Wasserführung am späteren Nachmittag, wenn die tief stehende Sonne von Westen in die Schlucht scheint, schillert ein intensiv leuchtender Regenbogen über der Glo-Schlucht.

Diese zauberhaften Momente sind von einer Aussichtskanzel am oberen Schlucht-Rand erlebbar. Ab Sommer 2021 gibt ein neuer Steig auch Einblick in die dramatische Szenerie beim unteren Katarakt.

 

Der Strödener Wasserfall:

Von der Brücke bei Ströden ist in der Ferne eine geheimnisvolle, abgelegene Wasserfall-Schönheit sichtbar.

Die Unteren Umbalfälle:

Die tosende Wasserwildnis mit glitzernden Fontänen ist bereits seit Jahrzehnten mit einem Wasserschaupfad die Haupt-Attraktion des Tales – auf einigen kühn in die Gischt hinausragenden Plattformen lassen sich die Wasserberühmtheiten ganz aus der Nähe erleben.

 

Erster Wasserschaupfad Europas

Die Unteren Umbalfälle wurden 1976 als erster Wasserschaupfad Europas für Besucher_innen erschlossen. Angesichts vieler Kraftwerkspläne sollte der Weg, initiiert durch Dr. Wolfgang Retter, damals zumindest die obere Isel als „Erinnerungsbach“ vom Zugriff der Kraftwerksplaner freihalten. Der Weg entwickelte sich aber rasch zu einer Hauptattraktion im Virgental und trug derart auch tatsächlich zum Schutz dieser einmaligen Landschaft bei.

 

Landschaftsformende Wirkung

Die imposanten Stufenfälle der Isel zeigen hier, wie kaum in einem anderen Tal der Hohen Tauern, die landschaftsformende Wirkung und die Macht eines Gletscherbaches in beeindruckender Weise. Das glattgeschliffene Grüngestein des Flussbettes mit den ausgewaschenen Hohlformen lässt die Kraft der unablässig mit enormer Wucht herabschießenden Wassermassen erkennen.

 

Direkt-Kontakt mit den wilden Elementen

Der aufwändig angelegte Wasserschaupfad erlaubt eine sehr intime Tuchfühlung mit dem tobenden Gletscherfluss – nur wenige Meter von den Katarakten entfernt, gehen immer wieder Gischt-Schauer auf die Besucher_innen nieder. Ein Erlebnis für alle Sinne: Wasserfall-Akustik, visueller Geschwindigkeitsrausch, frischer Wasserduft, taktile Sprühnebel-Erfahrung mit Wassertropfen-Geschmack.  

 

Es gibt wohl kaum einen Ort, an dem man dem Wesen eines Gletscherbaches so nahekommen kann: Stahl-Konstruktionen, die in 30 Metern Höhe in die Schlucht hinein- und über die Wasserfälle hinausragen, bieten wohligen Nervenkitzel. Heute stehen die legendären Umbalfälle stellvertretend für die betörende Schönheit des Nationalparks Hohe Tauern.

Die Oberen Umbalfälle:

Das einzigartige Naturschauspiel gewaltiger Wassermassen, die über mehrere Steilstufen stäuben, lässt sich aus der Ferne beobachten.

Gletscherblick beim Daber Steg:

Nach dem Anstieg offenbart sich beim Daber Steg erstmals die mächtige, von Gletschern umgürtete Rötspitze (3496m). Das obere Iseltal – ab Ströden auch Umbaltal genannt – im Nationalpark Hohe Tauern präsentiert sich als eine grandiose, ursprüngliche Hochgebirgslandschaft. Arktische Wildnis, mitten in Europa.

 

Unberührte Weite
Bis auf die Clarahütte und vereinzelt weidende Schafherden ist der Einfluss des Menschen verschwindend. Dieses Hochtal hat vor 1000 Jahren wohl nicht viel anders ausgesehen. Einen gravierenden Unterschied gibt es jedoch: Die Gletscher waren in den vergangenen Jahrhunderten zumeist wesentlich größer als heute und sind mitunter sogar bis fast in das Umbaltal vorgestoßen. Das Welitzkees (Gletscher werden in Osttirol „Kees“ genannt) unter dem schroffen Gipfelaufbau der Rötspitze schmilzt jedoch auf Grund der globalen Klima-Erhitzung rasant dahin.


Mehr als nur Schutt und Sand
Auch im Hochgebirge bildet die Isel Schutt- und Sandflächen aus – diese sind Nischenlebensräume für Pflanzen wie die Zweifarbige Segge und besonders schützenswert.

 

Der Isel-Ursprung beim Umbalkees:

Der Iseltrail führt zunächst über weite, blumenreiche alpine Matten. Eine Steilstufe, die noch vor wenigen Jahrzehnten vom Gletscher bedeckt war, markiert den Beginn der arktischen Klimazone des Nationalparks Hohe Tauern. Der Ursprung der Isel ist schließlich bei der Gletscherzunge des Umbalkees unterhalb der gewaltigen Dreiherrenspitze (3499m) erreicht – die Krönung der Wanderung. Die Isel verlässt hier in einem sich beständig verändernden Gletschertor den riesigen Eisstrom und bahnt sich über die Drau und Donau ihren Weg ins Schwarze Meer.


Schnee-Geburt
Gletscher sind eine fremdartige Welt aus Eis, Schutt, heimtückischen Spalten und im Vorfeld oft reißenden Bächen, aber auch aus anmutig verschlungenen Sandern – Sandflächen mit Inseln im Gletschervorfeld, die das Wasser ständig verändert. Gletscher werden in der Kälte geboren: Unter meterhohen Schneemassen in höchstgelegenen Bereichen verwandeln sich die Schneekristalle unter Druck in körnigen Firn, der allmählich zu Eis verdichtet wird. Das gewaltige Eigengewicht lässt das Eis langsam abwärts gleiten. Wenn entsprechend viel Eis ausreichend schnell von oben nachschiebt, können Gletscher bis in die Täler hinabreichen.
 

Hilfreiche Wasserlieferanten
Wie bedrohlich Gletscher auch wirken mögen, sie leisten auch hilfreiche Dienste für die Menschen: In den oberen Gletscherflächen, dem Nährgebiet, nehmen sie Wasser in Form von Eis auf und geben es nach vielen Jahren unten, im Zehrgebiet, wieder ab. Gletscher sind also gigantische Wasser-Pufferspeicher, die den Niederschlag vom Winter verzögert im Sommer in die Flüsse speisen.

Diese Gletscherspende garantiert auch im Sommer eine reichliche Wasserführung in vielen großen Alpenflüssen. In heißen, trockenen Sommern, wenn der Winterschnee auf den Bergen fast vollständig verschwindet, fällt diese Wasserzufuhr durch das Schmelzwasser besonders umfangreich aus.

 

Gletscher-Schwund
Gletscher sind daher eine Art Klima-Alarmanlage: Ihr Schwund ist ein Gradmesser für die Klima-Erwärmung. Auch das Umbalkees leidet unter der Klimakrise. Seit dem Jahr 1990 hat sich die Zunge des Umbalkees um mehr als 700 Meter zurückgezogen (Gletscherberichte des ÖAV).

 

Klimaforscher gehen davon aus, dass die meisten Gletscher in den Ostalpen bis zur Mitte des Jahrhunderts verschwunden sein werden. Das verringert nicht nur die Schönheit des Hochgebirges, das hat auch nachteilige Auswirkungen auf die Welt der Menschen: Wenn die sommerliche Schmelzwasserspende ausbleibt, werden Gletscherflüsse wie die Isel viel weniger Wasser ins Tiefland transportieren. Darüber hinaus stabilisieren Gletscher – gemeinsam mit dem Permafrost im Gestein – die Felsflanken. Durch den Gletscher-Schwund verlieren Hänge ihre Stabilität, die alpinen Gefahren nehmen zu. Auch die Vegetationszonen der Alpen verändern sich bereits: Wälder und alpine Rasen wandern höher.

 

Neue reizvolle Szenerie
Durch den Klimawandel und dem damit verbundenen Abschmelzen der Gletscher formte sich und formt sich eine neue Landschaft, die in anderer Weise ebenfalls reizvoll ist. Die Vegetation wird karger, Pionierpflanzen erobern unwirtliche Standorte mit kaum erdigem Boden. Diese einzigartige Szenerie durchquert der Iseltrail bis zum Gletschertor, wo sich der Ursprung der Isel befindet.

Die Etappen des Iseltrails

Iseltrail

Ausgangspunkt:
Lienz
Endpunkt:
Gletscherzunge am Umbalkees
Höchster Punkt:
2500 m
Gehzeit Gesamt
22 h
Streckenlänge
73.5 km
🔋
Höhenmeter Bergauf
2120 hm
🞽
Schwierigkeit
Mittel

Etappengliederung

Der Iseltrail gliedert sich in unterschiedlich lange Abschnitte, die jeweils zwischen den Ortschaften mit Möglichkeiten zur Verpflegung und Übernachtung verlaufen. Der Iseltrail kann daher recht flexibel begangen werden – je nach Lust und Laune, Kondition, Erholungsbedürfnis oder Freude am Ausschreiten. Im Folgenden findest du einen Vorschlag für 5 Etappen!

Iseltrail Etappe 1

Ausgangspunkt:
Lienz
Endpunkt:
St. Johann im Walde
Höchster Punkt:
750 m
Gehzeit Gesamt
4:30 h
Streckenlänge
16.1 km
🔋
Höhenmeter Bergauf
80 hm
🞽
Schwierigkeit
Mittel

Iseltrail Etappe 2

Ausgangspunkt:
St. Johann im Walde
Endpunkt:
Matrei in Osttirol
Höchster Punkt:
968 m
Gehzeit Gesamt
4 h
Streckenlänge
14.5 km
🔋
Höhenmeter Bergauf
227 hm
🞽
Schwierigkeit
Mittel

Iseltrail Etappe 3

Ausgangspunkt:
Matrei in Osttirol
Endpunkt:
Prägraten am Großvenediger
Höchster Punkt:
1317 m
Gehzeit Gesamt
5 h
Streckenlänge
16.1 km
🔋
Höhenmeter Bergauf
556 hm
🞽
Schwierigkeit
Mittel

Iseltrail Etappe 4

Ausgangspunkt:
Prägraten am Großvenediger
Endpunkt:
Clarahütte
Höchster Punkt:
2040 m
Gehzeit Gesamt
4:30 h
Streckenlänge
11.3 km
🔋
Höhenmeter Bergauf
765 hm
🞽
Schwierigkeit
Mittel

Iseltrail Etappe 5

Ausgangspunkt:
Clara Hütte
Endpunkt:
Gletscherzunge am Umbalkees
Höchster Punkt:
2500 m
Gehzeit Gesamt
5:30 h
Streckenlänge
16.1 km
🔋
Höhenmeter Bergauf
475 hm
🞽
Schwierigkeit
Mittel

Das Naturwunder Isel

Nur wenige große Flüsse in den Alpen können heute, unbeeinträchtigt von Staumauern, noch frei fließen. Die Isel in Osttirol zählt neben dem Lech in Nordtirol und dem Tagliamento in Friaul/Italien zu diesen letzten großen alpinen Wildflüssen Mitteleuropas. Nirgendwo ist ihre Wasserfülle für energiewirtschaftliche Zwecke gestaut oder in Kraftwerke abgeleitet. Über weite Strecken weist die Isel daher einen ungezügelten, sich stetig verändernden Flussraum mit einer besonderen Vielfalt an seltenen Lebensgemeinschaften und Arten auf. Das macht das einzigartige Naturerlebnis aus.

youtube video

Pulsierende Lebensader

Im Unterschied zu Lech und Tagliamento ist die Isel zudem ein Gletscherfluss. Sie entspringt am Umbalkees, hoch oben in der Wildnis des Nationalparks Hohe Tauern. Vom Gletscher rauscht sie als pulsierende Lebensader Osttirols hinab bis zu ihrer Mündung in die Drau in Lienz. Derart verbindet sie die Weite alpiner Abgeschiedenheit mit der Kulturlandschaft im Talboden.

 

Rare Ursprünglichkeit

Mit ihren Zubringern bildet sie ein riesiges ursprüngliches Gewässersystem. Auch ihre Zuflüsse sind weitgehend unberührt, eine Garantie für reinste Wasserqualität. Eine Seltenheit in der intensiv vom Menschen geprägten Landschaft. Die Isel ist somit der längste noch frei fließende und daher ökologisch funktionsfähige Gletscherfluss der gesamten Alpen.

 

Schwankende Wasserführung

Gletscherflüsse sind anders: Ihre Wasserführung schwankt je nach Tages- oder Jahreszeit deutlich, abhängig von der Schmelzwasser-Spende durch die Gletscher im Einzugsgebiet. Die Wasserführung von Gletscherflüssen in den Sommermonaten wird durch die Gletscherschmelze bestimmt und zeigt einen typischen Tagesgang: An einem kühlen Morgen fließt viel weniger Wasser als am Abend, weil der Gletscher weniger stark auftaut. Am frühen Nachmittag ist die Sonneneinstrahlung am Gletscher hingegen am stärksten, das Eis rinnt dahin. Im Fall der Isel erreicht das Schmelzwasser erst am frühen Abend die Tallagen und trifft in der Nacht bei der Mündung der Isel in Lienz ein.

 

Dynamischer Flussraum

In so einem dynamischen Flussraum können Hochwässer die Schottermassen umlagern und so immer neue Inseln, Schotterbänke und Uferbereiche schaffen. Dabei entstehen permanent neue Lebensräume, die wieder besiedelt werden. Das nennt man in der Fachwelt: Pionierstandorte. Diese sind Voraussetzung für eine Reihe von seltenen Tier- und Pflanzenarten, die sich an die ständige Veränderung angepasst haben und sie für ihren weiteren Bestand benötigen.

 

Pflanzenrarität Tamariske

Eine derartige Pflanze ist die Deutsche Tamariske (Myricaria germanica), die als einzige ihrer Gattung in Mitteleuropa vorkommt. Sie war früher – jedes ältere Botanik-Buch ist Zeuge – an unseren Flüssen weit verbreitet. Heute ist sie eine Rarität. Da sie sehr lichtbedürftig ist, Weiden und Erlen sie aber leicht überwuchern, kann sie sich auf Dauer nur dort halten, wo durch die Umlagerungsarbeit von Flüssen immer wieder neue Sand- und Schotterbänke entstehen.

 

Schutzgebiet als Flora-Fauna-Habitat

Die Tamariske ist ein untrügliches Indiz für die ungestörte Dynamik und ökologische Funktionsfähigkeit eines Flusses. Aus diesen Gründen wurde die Isel als Schutzgebiet gemäß der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der EU ausgezeichnet. Die Tamarisken sind vor allem im unteren Iseltal zu finden. Bitte die Tamarisken mit Respektabstand erleben und die Schotterbänke wegen brütender Vögel nicht betreten!

Die wichtigsten Fakten zur Isel

Ursprung: Umbal-Gletscher in 2.600 m Höhe
Mündung: Drau in Lienz in 668 m Höhe
Höhendifferenz: 1.932 Höhenmeter

Gesamtlänge: 57,26 km
Einzugsgebiet: 1.200,36 km²
Anteil natürlicher/naturnaher Fließstrecken: 100%

Besondere Fauna: Flussuferläufer, Äsche, Grasfrosch, Erdkröte, Gelbbauchunke, Fischotter, Huchen
Besondere Flora: Deutsche Tamariske

Wichtig:

Sonnen- und Regenschutz, bergtaugliche Kleidung (warme Sachen) und festes Schuhwerk mitnehmen!

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