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Fichtenliesl sucht Seppi - ihren Buntspecht

Zuerst hatte die Fichtenliesl gar nicht so viel Freude an ihrem neuen Mitbewohner. Ständig klopfte er  an ihrer Rinde. Dass ihr Stamm dabei beschädigt wurde war das eine Thema. Aber der ständige Lärm. Das gleichmäßige Hämmern störte die Fichtenliesl wirklich. Sie war ja schon eine alte Dame und die Ruhe im Wald schätzte sie sehr. Bis eben er kam – er, der Specht. „Seppi hieß er“, meinte er – mit einem spitzbübischen Grinser. Und er war dreist. Denn er blieb einfach – ohne zu fragen. Er lauschte den knarrenden Zweigen und dem Säuseln der Fichtenliesl. Er fühlte sich hier geborgen und errichtete sich seine Höhle – mitten in der Fichte.

Hilfe – ein Sturm
Eines Tages kam ein unglaublicher Sturm. Die Tiere des Waldes informierten sich gegenseitig und brachten sich in Sicherheit. Auch Specht Seppi klammerte sich an seine Fichtenliesl. In diesem Moment wurde der alten Dame bewusst, wie lieb sie den Specht gewonnen hatte und versuchte ihn mit ihren Zweigen zu beschützen. Just in dem Moment, da sie einen Ast bewegen wollte, kam eine heftige  Windböe und die Fichte kam ins Wanken. Erschrocken fiel Seppi in die Tiefe. Er konnte ja zum Glück fliegen, aber der starke Wind wirbelte ihn hoch und trug ihn fort. Der Specht wollte seine Flügel schwingen, aber er hatte keine Chance. Wie eine Feder flog er über die Wipfel hinweg. Erst nach vielen Minuten ließ der Wind nach. Seppi kullerte von Ast zu Ast nach unten, bis er schließlich am Waldesrand landete – mitten in den Moosbeer-Stauden.

 

Ein klägliches Raunen
Die Fichtenliesl merkte sofort, dass Seppi nicht mehr da war und weinte vor sich hin. Weit umher hörte man ihr Raunen. Doch plötzlich waren da Kinderstimmen. Sie liefen wie ein Magnet auf die Fichtenlieslzu und hielten tatsächlich vor ihr an: „Warum bist du so traurig?“, fragten sie. Der Baum war überrascht, dass die Kinder gekommen waren. „Warum weinst du?“, nun war die Fichte überwältigt. Sie dachte, dass niemand von ihr Notiz nahm. Sie räusperte sich kurz, schluckte und sagte dann mit betrübter Stimme: „Der Wind hat meinen Specht Seppi weggeblasen.“ Oh nein. Die Kinder fühlten mit der Fichte mit und beschlossen den Specht zu finden.

Alle suchen Seppi
Und so begaben sie sich auf die Suche. Schon nach wenigen Minuten kam ein Hase, der vor ihnen herumsprang. Er schien ihnen etwas zeigen zu wollen und so folgten sie ihm. Es dauerte nicht lange, da gesellte sich eine Eichhörnchenfamilie dazu und dann kamen noch Vögel, sogar Rehe und Füchse – alle hatten das gemeinsame Ziel: Seppi zu finden.„Da, hört ihr das?“, fragte Anika aus Amsterdam – eines der Kinder. Die Vögel sangen ganz aufgeregt. Die Tiere und Kinder liefen dem Gesang nach und tatsächlich fanden sie Seppi inmitten der Moosbeer-Stauden, in der Nähe eines Sägewerks. Der Spechtwar über die Aufregung ziemlich erstaunt. Denn es ging ihm ziemlich gut. Er war schon ein wenig benommen, aber er naschte genüsslich vor sich hin – Moosbeeren, Käfer, Regenwürmer – er war mitten im Schlaraffenlandgelandet. Nun mussten alle lachen, denn Seppi war von der Schlemmerei ganz Blau und Lila im Gesicht – ein richtiger Buntspecht. „Gott sei Dank – es geht ihm gut“, riefen die Kinder vergnügt.

Ein Platz voller Leben
Zuerst wollte Seppi sein Genussplatzerl gar nicht mehr verlassen. Als die Tiere und Kinder ihm aber von der traurigen Fichtenliesl erzählten, wurde es ihm ganz warm ums Herz und so flog er direkt zu seiner Höhle zurück. Wie glücklich die Liesl dann war, könnt ihr euch sicher vorstellen. Und wisst ihr was? Seither bekam die alte Fichte regelmäßig Besuch. Mit der Ruhe war es dann für allemal vorbei. Die Liesl aber wirkte auf einmal gar nicht mehr alt. Ganz im Gegenteil. Sie trug sogar eine rote Masche – wie eine junge Dame.

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