Adlerweg Osttirol

Gehen, wo der Adler fliegt

Wandern auf den Spuren der Adler im Nationalpark Hohe Tauern

Der Adler schwebt stolz hoch droben am Himmel, zieht ungestört seine Kreise und wirkt dem Alltag entrückt.
Dieses Gefühl können Gäste in Osttirol ab diesem Sommer nachempfinden, wenn sie sich auf den Adlerweg begeben.
Mit dem Adlerweg wurde ein alpiner Bergweg geschaffen, der den Wanderern einzigartige Ausblicke beschert. Wie der Raubvogel hat man einen erhabenen Blick von oben hinab in die Täler und auf die unterschiedlichsten Gebirgsketten – die meisten Etappen verlaufen in einer konstanten Höhenlage zwischen 2000 und 2500 Metern. 

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Zum zehnten Jubiläum des Adlerwegs wurden die Routen komplett überarbeitet. In Osttirol verlaufen nun neun Etappen von Ströden am Fuße des Großvenedigers bis zur Stüdlhütte am Großglockner über insgesamt knapp 100 Kilometer. Wird die schönste Verbindung zwischen zwei der höchsten Berge Österreichs im Ganzen gegangen, sind sportliche 8000 Höhenmeter bergauf und bergab zu bewältigen. Der Adlerweg stellt aber nicht nur die beindruckende Natur in den Mittelpunkt, sondern auch die Alpingeschichte, die hier geschrieben wurde. Man begibt sich sozusagen auf die Spuren der großen Alpenpioniere, aber natürlich mit wesentlich mehr Komfort. Viele der Hütten, auf denen man heute gemütlich übernachten und Osttiroler Spezialitäten genießen kann – auf der Stüdlhütte sogar ein mehrgängiges Abendmenü – waren früher einfache Schutzhütten.

Wer sich auf die Spuren des Adlers begeben will, der braucht eine gute Kondition, muss trittsicher und manchmal auch schwindelfrei sein. Eine durchschnittliche Tagesetappe hat zehn Kilometer und eine Wanderzeit von fünf Stunden. Man braucht die Tour aber nicht an einem Stück gehen: Es ist jeden Tag möglich ins Tal abzusteigen und die Strecke individuell zu verkürzen.

Etappe 1: Ströden - Johannishütte

Es geht hinauf zu gleißenden Gletschern, tosenden Wasserfällen und sprudelnden Gletscherbächen. In der Nähe der berühmten Umbalfälle, bei Prägraten/Ströden, startet die erste Etappe des Adlerweges Osttirol.

Zuerst führt der Weg durch lichten Lärchenwald, bald schon hört man die Murmeltiere pfeifen.

Vorbei an der  Göriacher Ochsnerhütte mit Einkehrschwung in der Essener-Rostocker Hütte,  weiter auf dem Schweriner Weg unterhalb vom Kleinen Geiger vorbei zum „Türmljoch“ und entlang von wegweisenden Steinmandln zur Johannishütte, der ältesten Hütte in den Ostalpen. Sie wurde 1857 errichtet und 1999 renoviert.

Ein ersehntes Ziel, denn diese Etappe ist lang, jedoch landschaftlich besonders schön.

Adlerblick

Im Gebiet der stolzen Dreitausender offeriert sich ein gewaltiges Panorama an majestätischen Gipfeln. Von der Essener-Rostocker Hütte aus hat man Aussicht auf mindestens zehn Eisriesen, von der Johannishütte bietet sich der schönste Ausblick auf seine Hoheit, den Großvenediger.

Adlerkick

Das Türml (2.844 Meter) ist ein Berggipfel des Dorferkamms. Der Aufstieg erfolgt in gut 30 Minuten direkt vom Türmljoch über einen Klettersteig (C) bis zum Gipfel. Der Abstieg verläuft über die Südflanke – mit Drahtseilen versichert – wieder zurück zum Ausgangspunkt. Auch dort oben ist der Ausblick lohnend: Der Venediger zeigt erstmals sein Gesicht.

Adler Alpingeschichte

Der Großvenediger mit seinem weißen Majestätsmantel ist der vergletscherte Hauptgipfel der Venedigergruppe. Erst im Jahr 1841, vierzig Jahre nach der Erstbesteigung des Großglockners, wurde er bezwungen. Hochtouren über spaltenreiches Gletschergelände wurden mit dem aufkommenden Alpinismus immer beliebter, deshalb entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine erste Infrastruktur an Schutzhütten. Das gesamte Material wie Proviant, Zementsäcke, Brennholz uvm. wurde von Hüttenträgern, den „Alpen-Sherpas“, zu den exponierten Standorten transportiert. Auch wenn zur Unterstützung Lasttiere eingesetzt wurden, ist die Leistung dieser „Schlepperbanden“ gewaltig. Gleichzeitig waren die Träger auch die ersten Bergführer, denn nicht selten mussten sie, von Hüttenwirten beauftragt, Gäste führen oder waren an Rettungseinsätzen beteiligt.

Adlerweg Etappe 1: Ströden – Johannishütte

Ausgangspunkt:
Parkplatz Ströden
Endpunkt:
Johannishütte
Höchster Punkt:
2773 m
Gehzeit Gesamt
6:30 h
Streckenlänge
13 km
🔋
Höhenmeter Bergauf
1430 hm
🞽
Schwierigkeit
Mittel

Wegbeschreibung

Ausgangspunkt ist der Parkplatz in Ströden, von dort geht es nach der Brücke dem Maurerbach entlang hinauf zur Jausenstation Stoanalm auf 1.450 Meter. Auf der orografisch linken Bachseite führt der Fahrweg zur Talstation der Materialseilbahn. Weiter auf einem Steig eine lärchenbewachsene Talstufe empor. Nach ca. zwei Dutzend Steigkehren gelangt man hinauf zur Göriacher Ochsnerhütte (1.948 Meter).

Weiter führt der Steig, noch immer in Bachnähe, über drei sanfte Steigungen ins Vorfeld der gletscherbedeckten Venedigerberge und zur Brücke bei der oberen Ochsnerhütte am Maurerbach. Der kraftvolle Gletscherbach trennt die Göriacher von der westlich gelegenen Maurer Alpe.

Nun geht es bereits in den Schlusshang hinauf zur Essener-Rostocker Hütte, im Moränengebiet des inzwischen weit zurückgezogenen Simonykees´. Nach einer verdienten Pause wandert man von der Essener-Rostocker Hütte über den Schweriner Weg weiter.

In Kehren überwindet er eine Bergflanke und quert nach ca. einer Stunde Gehzeit den Südwest-Hang des Kleinen Geigers. Nun geht es über eiszeitliche Schleifspuren und weit gestreute Schuttfelder Richtung Türml mit seinem hellen roten Fels.

An seinem Fuß liegt das Türmljoch (2.772 Meter). Östlich davon führt der in Schleifen angelegte Steig durch Schneemulden und über Schuttböden und in weiterer Folge den Dorferkamm-Osthang hinab.

Ca. ¼ Stunde später schwenkt man, einige Rinnsale übersteigend, nach Nordosten. Dann bewältigt der Steig noch eine dem Gelände angepasste Wende in Richtung Süden über einen Berghang, der zum Dorfer Bach hinunterführt, wo man schöne Felsschliffe bewundern kann. Schließlich geht es am Gedenkkreuz vorbei und über den Zettalunitzbach das letzte Stück zur urigen und geräumigen Johannishütte (2.121 Meter).

Etappe 2: Johannishütte - Eisseehütte

Weiter durch die faszinierende Bergwelt: Von der Johannishütte geht es Richtung Kreuzspitz-Höhenweg, anfangs durch satte grüne Matten, später durch felsiges Gelände.

In diesem Bereich könnte man auch einen Abstecher auf die „Kreuzspitze“, mit ihrem atemberaubenden Blick auf den Großvenediger wagen.

Die super Linienführung und die tollen Ausblicke auf die benachbarten Gletscherberge belohnen für den langen Zustieg.

Der Adlerweg führt jedoch weiter zur Sajathütte, dem „Schloss in den Bergen“. Das Etappenziel – die einfachere, aber ebenfalls gemütliche Eisseehütte – liegt allerdings noch ein gutes Stück entfernt.

Adlerblick

Schön wenn man beim Wandern immer die alpine Gletscherwelt im Blick hat. Der "Umweg" über die Kreuzspitze lohnt mit einem besonders schönen Ausblick auf den Großvenediger.

Adlerkick

Der Schernesschaft erstreckt sich zwischen der Johannishütte und der Sajathütte und bildet einen ausgesetzten Übergang, der verlässliche Schwindelfreiheit und Trittsicherheit erfordert. Die Überwindung der Schernersschlucht ist ebenfalls recht spektakulär.

Adler Alpingeschichte

Die Knappenspitze ist ein Hinweis darauf, dass es im Gebiet rund um die Sajathütte ehemals Bergbau gab – es wurden Kupfererze abgebaut. Als Knappen bezeichnete man jene Männer, die eine Lehre als Bergmann abgeschlossen hatten. Die Sajathütte auf 2.600 Meter entstand allerdings viel später, mit ihrem Bau wurde im Jahr 1974 begonnen. Die Besitzer-Familie Kratzer hatte über mehrere Generationen das Gras auf diesen völlig unerschlossenen Bergmähdern zur Heugewinnung gemäht. Sie wusste also um die Gefahren und kannte jene Stelle, die weitgehend vor Muren, Steinschlag und Lawinen geschützt war. Auf diesen Platz baute man die Hütte, die bald zu einem beliebten Anlaufziel für Wanderer wurde. Viele Jahre wurden die vorbeikommenden Gäste von der Familie verwöhnt, bis dann doch die unberechenbare Natur zuschlug und am 21. April 2001 eine Lawine die Hütte zerstörte. Doch die Kratzers gaben nicht auf und errichteten mit Unterstützung von vielen helfenden Händen und Spenden ihr „Schloss in den Bergen“. 

Adlerweg Etappe 2: Johannishütte – Eisseehütte

Ausgangspunkt:
Johannishütte
Endpunkt:
Eisseehütte
Höchster Punkt:
2787 m
Gehzeit Gesamt
7:30 h
Streckenlänge
10 km
🔋
Höhenmeter Bergauf
1020 hm
🞽
Schwierigkeit
Schwer

Weiter durch die faszinierende Bergwelt

Von der Johannishütte geht es Richtung Kreuzspitz-Höhenweg, anfangs durch satte grüne Matten, später durch felsiges Gelände. In diesem Bereich könnte man auch einen Abstecher auf die „Kreuzspitze“, mit ihrem atemberaubenden Blick auf den Großvenediger wagen.

Die super Linienführung und die tollen Ausblicke auf die benachbarten Gletscherberge belohnen für den langen Zustieg. Der Adlerweg führt jedoch weiter zur Sajathütte, dem „Schloss in den Bergen“. Das Etappenziel – die einfachere, aber ebenfalls gemütliche Eisseehütte – liegt allerdings noch ein gutes Stück entfernt. 

Etappe 3: Eisseehütte - Bonn-Matreier-Hütte

Gipfelerlebnisse noch und noch, selbst wenn man die Gipfel nicht erklimmt, sondern auf dem Venediger Höhenweg daran vorbeiwandert. Nach der Eisseehütte im Timmeltal verläuft der Weg ziemlich auf gleicher Höhe bleibend und passiert u.a. eine markante Osttiroler Bergmajestät, den Hohen Eichham.

Auch von reizvollen Gebirgsköpfen ist man umgeben, zum Beispiel: Großer und Kleiner Hexenkopf, Säulkopf und Rauhkopf.

Die schöne Natur mit ihrem wunderbaren Panorama sorgt dafür, dass die Tour dennoch nicht kopfl astig wird. Unterhalb der Wunwand vorbei und zwischen Wunalm und Wunspitze steil hinauf zum Eselrücken. Jetzt ist das Etappenziel, die gemütliche Bonn-Matreier-Hütte, schon ganz nahe.

Adlerblick

Die Bonn-Matreier-Hütte steht auf einem Bergrücken auf der Südflanke der Eichamgruppe. Man hat hier einen atemberaubenden Blick auf die Lasörlinggruppe, die Dolomiten und die Schobergruppe. Bei guter Fernsicht sieht man sogar den höchsten Berg Sloweniens, den Triglav (2.864 Meter).

Adlerkick

Wenn der steile Aufstieg auf den Eselrücken zu wenig Kick bringt, der Hohe Eichham (3.371 Meter) mit seinen vier Graten nach allen Himmelsrichtungen wartet ebenfalls auf Besuch. Er ist einer der schönsten Dreitausender der Venedigergruppe: Klettergrad (II-III). Gehzeit von der Bonn-Matreier- Hütte ca. 3,5 Stunden.

Adler Alpingeschichte

Der Standort der Bonn-Matreier-Hütte auf der Hochterrasse der Berge könnte nicht schöner sein: Sie liegt umgeben von einem Kranz von stolzen 3000ern am Rand des Nationalparks Hohe Tauern auf 2.750 Meter und ist ein wichtiger Stützpunkt für Wanderer auf dem Venediger Höhenweg.

Außerdem repräsentiert sie die einzige deutsch-österreichische Hüttengemeinschaft. Aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Situation wurde sie in den frühen 1930er Jahren von der Sektion Matrei des Österreichischen Alpenvereins und der Sektion Bonn des Deutschen Alpenvereins fi nanziert.

1932 wurde mit ihrem Bau begonnen, im selben Jahr wurde sie fertiggestellt. Zur Versorgung gab es damals noch keine Materialseilbahn wie heute, Lebensmittel und sonstige Artikel des täglichen Bedarfes mussten vom Wirt selbst bzw. von Trägern und Lasttieren auf die Hütte getragen werden.

In den 1980er Jahren wurde sie saniert und erweitert.

Adlerweg Etappe 3: Eisseehütte – Bonn-Matreier-Hütte

Ausgangspunkt:
Eisseehütte
Endpunkt:
Bonn-Matreier-Hütte
Höchster Punkt:
2746 m
Gehzeit Gesamt
3:30 h
Streckenlänge
7 km
🔋
Höhenmeter Bergauf
600 hm
🞽
Schwierigkeit
Mittel

Wegbeschreibung

Von der Eisseehütte steigt man ein kurzes Stück zu den Wegtafeln des Venediger Höhenwegs hinab, wo dieser in den linken östlichen Hangbereich des Timmeltals lenkt.

Die Überschreitung des auslaufenden Südwestkammes vom Hexenkopf ist leicht zu bewältigen, gleich darauf überwindet man den westlich auslaufenden Felsgrat des Hohen Eicham. Der bisher leicht und nahezu eben verlaufende Steig wird nun schärfer, denn er stößt auf den Westausläufer der Wunwand, mit der man eine Zeitlang auf Tuchfühlung bleibt. Steinerne Treppen dienen der Sicherheit, auch ein Stahlseil ist auf einem kurzen Wegstück gespannt. Es geht noch einige Kehren hinauf, man quert eine Wiesenflanke, etwa einen Kilometer bis zum Wunwand-Südwestgrat.

In diesem Bereich gibt es eine Abzweigmöglichkeit zur Wallhornalm im Timmeltal, der Höhenweg führt aber weiter über eine Wiesenflanke südlich der Wunwand bis zum ausklingenden Südgrat der Wunspitze. Dort steigt man ca. 1Ž2 Stunde zu einer Felsnische hinauf.

Ein Stück höher teilt sich der Steig und man könnte nach links zur Oberen und rechts zur Unteren Wunalm gelangen. Die Route des Venediger Höhenwegs verläuft nun hoch über dem Virgental, zum Teil unter den Bruchstücken eines alten Felssturzes hindurch und führt schließlich auf den Eselsrücken, der den Zugang zum Großen Niltal öffnet. 15 enge Kehren führen von der Anhöhe durch eine schmale Rasenrinne hinab auf den Sandboden. Dort ein paar Schritte über den schmächtigen Abfluss aus dem Nilkees.

Das Etappenziel, die Bonn-Matreier-Hütte, ist dabei längst schon in Sicht. Auf einem guten Steig und über in den Fels gehauene Steinstufen gelangt man in den Bereich des stattlichen, schindelverkleideten Schutzhauses, das beste Verpflegung offeriert.

Etappe 4: Bonn-Matreier-Hütte - Badener Hütte

Die wunderbare Gegend ist aussichtsreich und steinreich. Deshalb geht es von der Bonn-Matreier-Hütte zuerst durch viel Geröll Richtung Säulkopf. Will man ihn nicht besteigen, biegt man ab zur Kälberscharte, später passiert man die schärfere Galtenscharte und arbeitet sich Schritt für Schritt immer weiter zum Hoheitsgebiet des Großglockners vor.

Der Galtboden beeindruckt mit bizarren Steinformationen, wer noch einen Gipfel will: Der Steig zur Hohen Achsel ist anspruchsvoll und versichert.

Vor der Badener Hütte plätschert ein munterer Bach zur Begrüßung. Die markante Kristallwand oberhalb der Hütte erinnert an die Eiger-Nordwand, manche Bergfexe  werden hier schon ihre nächste Herausforderung sehen.

Adlerblick

Am Säulkopfgipfel reibt man sich bei guter Sicht die Augen: Kann es einen erhebenderen Ausblick geben? Der schneebedeckte Großvenediger, das Großglocknermassiv, die Höhenzüge der Zentralalpen und sogar die Bergspitzen der weit entfernten Dolomiten sind zu sehen.

Adlerkick

Die Galtenscharte ist ein hochalpiner Übergang, der einige Anforderungen in den Weg legt, zum Beispiel gewaltige Granitblöcke und wackelige Felsplatten. Auch die etwas unwegsame Routenführung erfordert ungeteilte Aufmerksamkeit. Auf der Scharte hebt man bei einer Rast wieder den Blick vom Boden und lässt ihn übers herrliche Tauernpanorama schweifen.

Adler Alpingeschichte

Als die Sektion Baden bei Wien des OeAV beschloss, eine Schutzhütte zu errichten, erkundeten die Brüder Malcher das Gebiet zwischen Innsbruck, München und Meran auf der Suche nach einem geeigneten Hüttenstandort. Sie wurden im Frosnitztal fündig.

Der Platz war ideal, aber bei den schwierigen Bedingungen auf einer Höhe von 2.608 Meter musste man zuvor sichergehen, dass die Baupläne funktionierten. Deshalb wurde im Jahr 1910 die Hütte probeweise komplett in Mödling bei Wien aufgebaut.

In viele Einzelteile zerlegt verfrachtete man sie nach Matrei i.O., das Gewicht des Materials betrug 45.000 Kilo. Wegen des unwegsamen Geländes konnten davon nur 8.000 Kilo mit Lasttieren transportiert werden, also mussten wieder die Alpen-Sherpas heran.

Der unermüdlichste aller Träger namens J. Gandler schleppte über sechs Wochen täglich 142 Kilo den anstrengenden Weg hinauf. Die Badener Hütte wurde 1911 fertig gestellt.

Adlerweg Etappe 4: Bonn-Matreier Hütte – Badener Hütte

Ausgangspunkt:
Bonn-Matreier-Hütte
Endpunkt:
Badener Hütte
Höchster Punkt:
2872 m
Gehzeit Gesamt
5 h
Streckenlänge
10 km
🔋
Höhenmeter Bergauf
800 hm
🞽
Schwierigkeit
Schwer

Wegbeschreibung

Ein Stück oberhalb der Bonn-Matreier Hütte (ca. 8-10 Minuten Gehzeit), zweigt bei Wegtafeln der Steig nach rechts ab. Man durchschreitet einen steinigen Bergtrog und erreicht schließlich die schrägen Fels-türme der Kälberscharte (2.791 Meter).

Auf beiden Seiten der Scharte erleichtern Treppen und Stahlseile den Übergang ins Kleine Niltal, so bezwingt man auch den Aufstieg zur höher gelegenen Galtenscharte relativ problemlos.

Nun erfolgt der steile, fordernde Abstieg hinunter zum Mailfroßnitzbach, obwohl man die 600 Höhenmeter später wieder wett machen muss. Der obere Teil des Steilstückes ist stahlseilversichert, im Mittelstück erwartet einen oft auch im Sommer ein hartnäckiges, steiles Schneefeld.

Wenn man Glück hat und der Wegabschnitt schneefrei ist, verläuft der Steig durchgehend. Weiter unten wird das Gelände flacher, der Abstieg endet bei der Brücke über den Mailfroßnitzbach. Etwa 40 Meter unterhalb der Brücke befindet sich die Fortsetzung des Steiges.

Hoch über dem Froßnitztal quert man nun die grünen Hänge der Hohen Achsel von Süden nach Norden und passiert dabei landschaftlich sehr abwechslungsreiche Teilstücke. Kurze Stellen sind stahlseilversichert, man kommt an zahlreichen kleinen Bächen vorbei. Auf der sogenannten Achsel befindet sich ein grasumwachsener, von einer Moräne abgedichteter Tümpel.

Hier verbindet sich der Venediger Höhenweg mit dem Talweg. Es geht weiter in Richtung „Badener Hütte“, wobei man eng hintereinander gereihte Moränen und schließlich die Brücke am Froßnitzbach überschreitet.

Es folgen einige Rücken und Mulden, die den Schneehühnern Schutz bieten. Schließlich gelangt man zur Seitenmoräne des Frosnitzkees´, dort hält man sich rechts und wandert weiter, bis man das Etappenziel, die Badener Hütte (2.608 Meter) am Großvenediger, erreicht.

Etappe 5: Badener Hütte - Matrei in Osttirol

Grandioses Gletscherpanorama auch auf dieser Etappe. Der Venediger Höhenweg leitet zuerst Richtung Norden und erreicht nach einem gemütlichen, fast flachen Anstieg das Löbbentörl, wo sich ein traumhaft schöner Ausblick ins Frosnitztal und auf den Venediger öffnet. Nach dem Salzboden mit dem verträumten kleinen Salzbodensee geht es weiter über den Gletscherweg nach Osten zum Venedigerhaus von Innergschlöss.

Hier gibt es gute Almschmankerln und auch eine Übernachtungsmöglichkeit, ansonsten geht es gut gestärkt weiter nach Außergschlöss. Müde, aber glücklich über die vielen schönen Natureindrücke, erreicht man das Matreier Tauernhaus.

Adlerblick

Die Rundwanderung vom märchenhaft schönen Gletscherschaupfad Innergschlöss dauert ca. vier Stunden. Für nimmermüde Naturliebhaber sind auch die Bergseen ein guter Tipp, die man nach weiteren Anstiegen vom Matreier Tauernhaus ausgehend erreicht. Die neugotische Felsenkapelle zwischen Inner- und Außergschlöss wiederum liegt direkt am Adlerweg und ist ein Innehalten wert.

Adlerkick

Allein die Gehzeit von der Badener Hütte über das Löbbentörl zum Alpengasthof Venedigerhaus beansprucht 4 bis 4 ½ Stunden, mit einem steilen Abstieg vom Löbbentörl nach Innergschlöss. Lang und anstrengend, man könnte aber auch sagen: herrlich herausfordernd mit ausgedehntem Wandervergnügen und vielen wunderbaren Naturerlebnissen.

Adler Alpingeschichte

Gastfreundlich heißt auf Lateinisch „hospitum“. Davon leitet sich das Wort Hospiz ab. Zu diesen wichtigen Einrichtungen, die schon vor Jahrhunderten Menschen im Hochgebirge Schutz und Herberge gewährleisteten, zählt auch das Matreier Tauernhaus.

Es wurde im 13. Jahrhundert von den Salzburger Erzbischöfen im mittlerweile als Nationalpark ausgewiesenen Gebiet gegründet und entstand ursprünglich aus einem Schwaighof. Seine Funktion war es, den Säumern (das waren die ersten Transporteure in den Alpen), über den Felbertauern Unterkunft zu bieten.

Bereits 1207 bot es auf diesen anstrengenden und gefährlichen Wegen durchs Gebirge eine Zuflucht vor den Unbilden der Natur. Es versteht sich, dass der Komfortstandard damals nicht so hoch war wie heute. Die Grundbestimmung des Tauernhauses aber ist noch dieselbe. Die Säumertradition ist bis heute spürbar und zeigt sich in der herzlichen Gastfreundschaft.

Adlerweg Etappe 5: Badener Hütte – Matreier Tauernhaus

Ausgangspunkt:
Badener Hütte
Endpunkt:
Matreier Tauernhaus
Höchster Punkt:
2768 m
Gehzeit Gesamt
5:30 h
Streckenlänge
14 km
🔋
Höhenmeter Bergauf
450 hm
🞽
Schwierigkeit
Mittel

Wegbeschreibung

Von der Badener Hütte (2.608 Meter wandert man zuerst über den Venediger Höhenweg bzw. Adlerweg (hier auch Badener Weg) nordwärts ca. eine Stunde hinauf zum Löbbentörl (2.770 Meter). Dabei sind einige felsdurchzogene Rinnen und kleine Schluchten seilversichert.

Über eine kurze Halde steigt man weiter zum Löbbentörl hinan, wo im Schutz eines Felsens ein Kreuz und eine Gedenktafel stehen. Von nun an geht es steil bergab. Der nordseitige Abstieg mit kurzen Seilstellen führt auf Fels-Rasen-Rücken und Altschnee hinunter zur Seitenmoräne des Schlatenkees´.

Auf dieser Moräne steigt man weiter ab. Am Unteren Keesboden gibt es einen Übergang zur Alten Prager Hütte (nicht bewirtschaftet), hier kann man auch zum faszinierenden Gletscherschaupfad „Innergschlöss“ abzweigen. Der Venediger Höhenweg passiert den Salzbodensee (2.731 Meter), in dem sich Hoher Zaun und Schwarze Wand spiegeln.

Nördlich des gletscherweißen Gschlössbaches wendetsich der Weg scharf nach Osten.

Im gletschernahen, gut geführten Venedigerhaus (1.689 Meter) lässt sich eine gemütliche Rast einschieben. Entlang des Gschlössbaches geht es dann weiter talauswärts, zwischen den Almen von Inner- und Außergschlöss bietet sich ein Innehalten bei der alten Felsenkapelle an.

Eine Einkehr weltlicher Art ist im Berghaus Außergschlöss (1.700 Meter) empfehlenswert. Das Tal weitet sich nun.

Von Gschlöss geht es noch ca. eine Stunde sanft über nicht einmal 200 Höhenmeter bergab zum Matreier Tauernhaus (1.512 Meter), wo man nach den langen fordernden Abstiegen dieser Etappe vermutlich etwas knieweich ankommt. Hier kann man sich ausruhen, feine regionale Schmankerln genießen und komfortabel übernachten.

Etappe 6: Matrei in Osttirol - Sudetendeutsche Hütte

Diesmal muss man die Beine zur Vorbereitung ganz besonders gut behandeln, denn von Matrei i. O. bzw. vom Weiler Glanz auf 1.445 Meter windet sich der Weg auf 2.700 Meter zur Sudetendeutschen Hütte im Herzen der Granatspitzgruppe hinauf. Es gilt also ziemlich viele kraftraubende Höhenmeter zu absolvieren.

Und das ohne Adlerflügel! Allerdings lenken die wunderbare Natur und hübsche Kleinode von den Strapazen ab: Der Weiler Glanz bezaubert mit alten Osttiroler Bergbauernhöfen, auf 1.900 Meter liegt die Edelweißwiese, und während der gesamten Tour ergeben sich faszinierende Ausblicke auf die Lasörlinggruppe und die umliegende Bergwelt.

Adlerblick

So schön die Berge mit den angezuckerten Gipfeln sind, auch im Kleinen finden Adlerwanderer das Faszinosum großartiger Natur. Edelweiß wachsen nicht nur auf der Edelweißwiese, aber hier ist die Chance, welche zu finden, besonders groß. Im Bereich des Nussingkogels wiederum glitzern vereinzelt Bergkristalle im Gestein.

Adlerkick

Im Gebiet der Steinadler kommen auch die Falken zum Zug: Mutige Kletterer wagen sich am kleinen und großen Falkenstein in den steilen, teilweise überhängenden Fels. Der bekannte Klettergarten offeriert großteils Wandkletterei mit 10 bis 50 Meter Wandhöhe, Schwierigkeit der Routen ab dem 7. Grad. Zustieg: Matrei - Glanz.

Adler Alpingeschichte

Matrei i. O. liegt in der Nationalparkregion Hohe Tauern. Über 150 Dreitausender, u.a. der Großvenediger mit 3.666 Meter und der Großglockner mit 3.798 Meter befinden sich direkt vor der Haustür.

Auf den Matreier Bergen und Almen findet man wie in ganz Osttirol etliche Namen aus dem Slawischen, denn im 6. Jahrhundert n. Chr. wurden die Slawen von den Reitervölkern der Awaren immer weiter nach Westen abgedrängt, die bayrischen Herrscher schickten ihre Gefolgsleute durchs Inntal und Pustertal, um die Grenzen zu sichern.

Die Namen slawischen Ursprungs sind geblieben und es kann nicht schaden, die genaue Bedeutung zu kennen. Potenzielle Goldgräber, die sich z. B. beim Schlatenkees Goldfunde erhoffen, weil sie glauben, dass sich der Name von „zlato“ (Gold) ableiten lässt, sollten die Belegkette des Namens besser studieren, dann wüssten sie, dass er von „slatina“ kommt.

Das bezeichnet eine mineralhaltige Quelle, was auch nicht schlecht ist, aber eben keine Goldader.

Adlerweg Etappe 6: Matrei in Osttirol – Sudetendeutsche Hütte

Ausgangspunkt:
Matrei in Osttirol (Glanz)
Endpunkt:
Sudetendeutsche Hütte
Höchster Punkt:
2654 m
Gehzeit Gesamt
4 h
Streckenlänge
8 km
🔋
Höhenmeter Bergauf
1250 hm
🞽
Schwierigkeit
Mittel

Wegbeschreibung

Am besten startet man diese Etappe beim Parkplatz im Weiler Glanz, dann spart man sich zwei Stunden Anmarsch. Von Matrei i.O. kann man mit dem PKW (Taxidienst auf Anfrage) in 20 Minuten dorthin gelangen. All jene, die auch diesen ersten Streckenabschnitt zu Fuß bewältigen wollen, gelangen über den wenig befahrenen Fahrweg von Matrei über Hinterburg zum Parkplatz.

Vom Parkplatz in Glanz kommt man in 1 ½ bis 2 Stunden zur Äußeren Steiner Alm und in weiteren 2 bis 2 ½ Stunden zur Sudetendeutschen Hütte.

Der Steig führt großteils durch einen Wald mit uralten Lärchen, vorbei an der Köfler-Almhütte (Privatalm).

Im Bereich der Ranzeralm quert man zweimal den Fahrweg. Etwas oberhalb der Lackner-Almhütte beginnt ein Karrenweg, der an einer Quelle vorbeiführt, ehe er von Osten nach Westen die Edelweißwiese durchzieht. Wer nicht durch den Wald wandern möchte, kann auch vom Parkplatz Glanz entlang der Forststraße bis zum Beginn der Edelweißwiese gehen. Nach einer Felskante fällt der durch ein Geländer geschützte Steig in den lichten Lärchenwald leicht ab.

Über den Steinerbach gelangt man zu den Almhütten der Äußeren Steiner Alm (1.914 Meter), von der Äußeren Steiner Alm geht es in der flachen Trogtalsohle nordöstlich weiter in Richtung Talschluss. Kleine Lärchenhaine und gewaltige Grünschieferblöcke prägen diesen romantischen Wegabschnitt.

Am Ende des Talschlusses führt eine Materialseilbahn zur Sudetendeutschen Hütte, hier befand sich früher eine Förderstätte des Eisenerz-Bergbaus, deshalb wird der Talwinkel als „Schmelzhütte“ bezeichnet.

Der Steig zur Sudetendeutschen Hütte führt zuerst nah am Steinerbach hinauf, dann windet er sich in Kehren über die Wiesenhänge empor, wobei man den Nussingkogel zur linken und die Bretterwandspitze zur rechten Seite hat. Schließlich wird das Gelände mit seinen von den Gletschern geformten Kuppen etwas flacher und schon befindet man sich im Nahbereich der geräumigen Sudetendeutschen Hütte (2.650 Meter) inmitten der Granatspitzgruppe.

Etappe 7: Sudetendeutsche Hütte - Kalser Tauernhaus

Die Granatspitzgruppe im zentralen Bereich der Hohen Tauern fügt sich in das beeindruckende Bergpanorama dieser Etappe und man kommt auf dem Teilabschnitt der „Glockner-Runde“ König Großglockner immer näher. Von der Sudetendeutschen Hütte führt der Weg unterhalb des Gradötzgletschers bis zur Gradötzscharte auf 2.848 Meter hinauf, anschließend Abstieg in Richtung Dorfertal zum Kalser Tauernhaus. Wer noch eine Ehrenrunde drehen möchte: zum Naturjuwel Dorfersee ist es vom Etappenziel noch eine knappe Stunde leichter Fußmarsch.

Adlerblick

Der höchste Punkt der Granatspitzgruppe ist der Große Muntanitz (3.232 Meter). Man kann ihn vom Weg aus betrachten, oder ihn in Angriff nehmen. Der Normalanstieg von der Sudetendeutschen Hütte ist bei trockenen Verhältnissen relativ einfach und es gibt einen schönen Gipfel-Ausblick zum Großglockner im Osten und in die Venedigergruppe im Westen.

Adlerkick

Zwar führt der Adlerweg unterhalb des Gradötzgletschers vorbei, aber mit Schnee und Eis ist trotzdem zu rechnen. Vor allem im Frühsommer und nach Kaltwetterperioden können im Bereich der Gradötzscharte ausgedehnte Schneefelder liegen. Am besten, man informiert sich über die zu erwartenden Wegverhältnisse bei den Hüttenwirten oder bei der Tourismusinformation.

Adler Alpingeschichte

Kalser Bergführer bauten von 1928 bis 1930 das Kalser Tauernhaus auf 1.755 Meter als eigenes Schutzhaus für den Verein. 1962 kaufte die Sektion Mönchengladbach des Deutschen Alpenvereins, damals 400 Mitglieder stark, das Haus, begann mit der Sanierung und führt es seitdem als Alpenvereinshütte.

In den 1970er und 1980er Jahren drohte das Haus aufgrund eines Stauseeprojektes im wahrsten Sinn des Wortes unterzugehen. Das ganze Dorfertal wäre bei dessen Realisierung mit im See versunken. Erst 1989 wurde das Projekt zurückgezogen und das Dorfertal in den Nationalpark Hohe Tauern eingegliedert, der seit 1981 als solcher ausgewiesen ist.

Als der Bestand der Hütte gesichert war, wurde das Kalser Tauernhaus modernisiert, u.a. mit vollbiologischer Abwasseraufbereitung und einem Wasserkraftwerk. Die weit bessere Lösung, als alles im Wasser versinken zu lassen!

Adlerweg Etappe 7: Sudetendeutsche Hütte – Kalser Tauernhaus

Ausgangspunkt:
Sudetendeutsche Hütte
Endpunkt:
Kalser Tauernhaus
Höchster Punkt:
2827 m
Gehzeit Gesamt
4 h
Streckenlänge
8 km
🔋
Höhenmeter Bergauf
300 hm
🞽
Schwierigkeit
Mittel

Wegbeschreibung

Von der Sudetendeutschen Hütte wandert man am Gedenkkreuz und am hüttennahen kleinen Bergsee vorbei über Rasenrücken und bemooste Mulden hinauf ins Abflussgebiet des Gradötzkees´, wo sich ebenfalls ein See angestaut hat und mächtige Moränen die Landschaft prägen.

Schließlich erreicht man den Gradötzsattel (2.826 Meter), danach geht es hinunter, dem sogenannten Bloipalfen (2.684 Meter)entgegen. Anschließend weiter bergab über ein Wiesenstück und klammartig gelagerte Felsen.

Auf ca. 2.500 Meter Höhe zweigt der Silesiaweg links ab. Er führt in wenigen Minuten Gehzeit auf die felsige Muntanitzschneid mit grandioser Aussicht, auf dem Adlerweg bleibend hält man sich jedoch rechts und erreicht schließlich den Muntanitzbach, der bei starker Wasserführung nicht so einfach - vor allem nicht trockenen Fußes - zu überwinden ist. Ein Stück oberhalb des Gebietes der Ochsenalm umschreitet man den auslagernden Rücken der Muntanitzschneid.

Der Weg ist hier gut ausgebaut, im unteren Teil vollführt er einen kleinen Knick und weist eine felsige Stelle auf. In weiterer Folge geht es über Wiesenhänge hinunter und man durchstreift in nördlicher Richtung ein kleines Zirbenwäldchen.

Man gelangt schließlich zu einer Hinweistafel zur Brücke am Stotzbach mit zufließendem Loamesbach.

Bei der etwas tiefer stehenden Wegtafel wählt man den Abstieg, bez. 514 A, zum Kalser Tauernhaus.

Auf zahlreichen engen Kehren wandert man nun am Wilhelm-Ernst-Weg zwischen Erlen, Eschen und Lärchen im Zickzack talwärts, an der Nationalpark-Aussichtskanzel vorbei, wo ein Wasserfall des Stotzbaches über eine von eiszeitlichen Gletschern geschaffene Trogschulter in die Tiefe wirbelt.

Schließlich geht es über den Dorferbach zum Etappenziel, dem gemütlich eingerichteten Kalser Tauernhaus (1.755 Meter).

Dieses befindet sich im hinteren Teil des Dorfertales, nur ein kleines Stück unterhalb jener Stelle, wo der Stotzbach in den Dorferbach mündet.

Etappe 8: Kalser Tauernhaus - Stüdlhütte

Die gewaltige Berglandschaft spitzt sich zu: Zollspitze, Säulspitze, Bretterspitze, Kristallspitze, Kreuzwandspitze … Sie alle grüßen mit ihren markanten Gipfeln die Adlerwegwanderer auf dieser Etappe.

Der Weg führt jedoch vom Kalser Tauernhaus über sanfte Böden durch das liebliche Tal der Dorferalmen: Schönebenalm, Bergeralm, Moaebenalm und Moaalm sind geprägt durch idyllische Landschaft und intakte Landwirtschaft, urige Hütten offerieren gemütliche Einkehrmöglichkeiten.

Danach erfolgt der Anstieg in Richtung Teischnitztal, der Herrensteig führt an Figerhorn, Freiwandspitze und Fanotkogel vorbei zur Stüdlhütte am Fuß des Großglockners.

Adlerblick

Auf den Höhenwegen zwischen Matrei und Kals trifft man öfters auf Felsen und Berge, die das Wort „Brett“ in ihrem Namen haben, z. B. Bretterwandspitze. So auch auf dieser Etappe mit Bretterspitze und Bretterwand. Das ist kein Zufall, denn alle diese Felswände haben eine Gemeinsamkeit: Der steil aufgestellte Glimmerschiefer erinnert an glatte Bretter.

Adlerskick

Ein Wegstück auf dieser Etappe verläuft oberhalb der wildromantischen Dabaklamm mit ihren tosenden Wassern. Ein beeindruckendes Schauspiel der Naturgewalten, aber Trittsicherheit ist Voraussetzung bei einigen sehr steilen und abschüssigen Stellen, besonders bei Nässe ist Vorsicht geboten.

Adler Alpingeschichte

Die arme Pfarrersköchin. Ein Stück hinter der Bergeralm zweigt der Weg über die „Stiegen“ hinauf zur Moaalm ab.

Das ist ein alter Viehtriebsteig, der benützt wurde, bevor der jetzige Weg mit Tunnel durch die Dabaklamm und die Felsen gesprengt wurde. Auf diesem alten Weg wurden Rinder, Schafe, Pferde und Schweine getrieben.

Eine überlieferte Geschichte erzählt von einer Pfarrersköchin, die über die Stiegen hinauf einen schweren Buckelkorb mit Butter und Käse schleppte.

Als sie diesen am Ende des steilen Weges, fast oben angelangt, beim Rasten gegen das Holzgeländer lehnte, brach dieses und sie stürzte mitsamt ihrer Trage in die Tiefe der Dabaklamm. Seither wird eine Stelle „Pfad entumpf“ genannt.

Aber man muss sich keine Sorgen machen, die Wegerhalter sind heutzutage sehr sorgsam. Wo ein Geländer oder Seil angebracht ist, hält es auch.

Adlerweg Etappe 8: Kalser Tauernhaus - Stüdlhütte

Ausgangspunkt:
Kalser Tauernhaus
Endpunkt:
Stüdlhütte
Höchster Punkt:
2803 m
Gehzeit Gesamt
6:30 h
Streckenlänge
14 km
🔋
Höhenmeter Bergauf
1440 hm
🞽
Schwierigkeit
Mittel

Wegbeschreibung

Vom Kalser Tauernhaus verläuft der Adlerweg bis zur Moaalm ständig in Richtung Süden durch das liebliche Dorfertal auf einem breiten Almweg leicht abwärts.

Man passiert dabei u.a. die Kalseralmen der Rumesoi-und Schönebene.

Bald nach der Jausenstation Bergeralm zweigt bei der Moaebene links der Weg Nr. 40 über einen Trittsicherheit erfordernden Steig („die Stiege“), hinauf zur Moaalm (1.793 Meter), oberhalb von Kals. Weiter abwärts über die Moaalmstraße bis zur Brücke am Teischnitzbach, wo nach etwa 70 Meter bei einer Zaunlücke eine Wegtafel ins Teischnitztal weist.

Dieses ist noch sehr ursprünglich und begeistert ebenfalls mit landschaftlicher Schönheit.

Von dort führt ein Almweg auf der lärchenbewachsenen rechten Talseite empor. Es gibt aber auch einen abkürzenden Steig, der den Almweg mehrmals kreuzt. Er passiert beim Maurigen Trog (2.101 Meter), die schmale, 800 Meter lange Felsklamm (2.075 Meter). Am Eingang in den Hochtaltrog der Teischnitz-Ebene (Brücke) zeigt ein Wegweiser an, dass hier der zur Stüdlhütte führende Steig rechts in die steilen Berghänge abzweigt.

Bald blickt man auf den rauschenden Teischnitzbach hinunter und sieht die Eistürme des Teischnitzkees aufblitzen. Es gilt noch einige steile Wiesenhänge, Rippen und Rinnen zu überwinden, ehe man sich abschließend über Schutt und Steinblöcke von Süden der Stüdlhütte nähert (2.802 Meter).

Sie steht am Fuß vom Großglockner, das Berg- und Gletscherpanorama ist dementsprechend grandios.

Etappe 9: Stüdlhütte - Lucknerhaus

Nach einer Nacht unterm Großglockner – näher als auf der Stüdlhütte kommt man seiner Majestät auf dem Adlerweg nicht mehr – führt die Route ab jetzt vorwiegend in Richtung Süden. Über den Johann-Stüdl-Weg überwindet man die Pfortscharte und winkt kurz, mit Blick auf die Salmhütte, nach Kärnten hinüber. Weiter geht es auf dem Luckner Weg zur stattlichen Glorer Hütte am Berger Törl, danach abwärts durch das wiesenreiche Tal des Bergerbachs. Schließlich erreicht man das sonnig gelegene Lucknerhaus. Hier endet der Adlerweg, die Kalser Glocknerstraße schlängelt sich von dort abwärts. Aber zuerst einmal rasten, sich stärken und ausgiebig das schöne Gefühl genießen, am Ziel zu sein!

Adlerblick

Soviel grandiose Natur macht neugierig auf die Geheimnisse der Bergwelt. Wer die Zusammenhänge besser verstehen will, kann sich die Lehrpfade genauer ansehen: den „Geo-Lehrpfad“ am Luckner Weg und den „Lehrweg Glocknerspur-BergeDenken“, ausgehend vom Lucknerhaus. Auf dieser letzten Etappe wirft man gern auch immer wieder einen Blick zurück zum Hochgebirgsglück.

Adlerkick

Die Pfortscharte bildet einen ausgesetzten Übergang auf 2.800 Meter. Auch hier sind wieder Geröll, Schuttreisen und abschüssige Stellen mit Hilfe von teilweise fest verankerten Seilen zu überwinden. Wegen der Gefahr eines Blitzschlages empfiehlt es sich nicht, diese Passage bei Gewittern zu bewältigen. Deshalb unbedingt bei der Tourenplanung Wetterinformationen einholen!

Adler Alpingeschichte

Johann Stüdl ist auf dieser Etappe der imaginäre Bergführer. Man übernachtet auf der nach ihm benannten Hütte und wandert ein Stück weit auf dem nach ihm benannten Weg. Johann Stüdl war ein bergbegeisterter Prager Kaufmann und ein exzellenter Bergsteiger.

Er gehört zu den Begründern des Deutschen Alpenvereins und war auch maßgeblich an der Gründung des Kalser Bergführervereins, dem ersten der Ostalpen, im Jahr 1869, beteiligt.

Durch seine Verdienste für den „Neuen Kalser Weg“ und die Errichtung der Stüdlhütte, die 1868 als Ausgangsstation für Glocknerbesteigungen auf der Fanotscharte eröffnet wurde, entwickelte sich Kals als wichtige Alternative zum Aufstieg über Heiligenblut. Heute werden rund 80 Prozent aller Anstiege zum Glocknergipfel von Kals aus durchgeführt.

In den späten 1990er Jahren wurde die Stüdlhütte neu errichtet.

Adlerweg Etappe 9: Stüdlhütte – Lucknerhaus

Ausgangspunkt:
Stüdlhütte
Endpunkt:
Lucknerhaus
Höchster Punkt:
2823 m
Gehzeit Gesamt
5:30 h
Streckenlänge
11 km
🔋
Höhenmeter Bergauf
450 hm
🞽
Schwierigkeit
Schwer

Wegbeschreibung

Von der Stüdlhütte auf der Fanotscharte (2.802 Meter) steigt man in nördlicher Richtung fünf Minuten bergan, orientiert sich dann nach Osten am Wegweiser Pfortscharte, Salmhütte, Glorer Hütte, über den Weg AV 713 in Richtung Süden, Südosten.

Dieser verläuft direkt unterhalb der Moränenfelder des Ködnitzkees´und mündet weit oberhalb der sogenannten Viehböden in den Johann-Stüdl-Weg (AV 702 B). Der zunächst gut ausgebaute Weg zieht nun hinauf durch Wiesenhänge, später wieder seilversichert nach oben. Jetzt hinein in das Schuttkar und darin weiter durch das Kar aufwärts.

Bei einer Steiggabelung im Kar nicht rechts in die Felsen, sondern weiter Richtung Salmhütte durch das Kar aufwärts. Der Steig leitet in dieser Passage in kurzen Serpentinen durch Schutt und Geröll, aber mit gutem Untergrund. Steil geht es hinauf zur Pfortscharte. Auf der anderen Seite ein kurzes Stück in ähnlichem Gelände abwärts, bei der Steiggabelung Richtung „Glorer Hütte“ orientieren.

Von hier geht es am Luckner Weg Richtung Süden, auf grünen, welligen Bergmatten u.a. am Oberen Glatzsee vorbei und man erreicht nach einiger Zeit die Glorer Hütte am Berger Törl (2.651 Meter).

Im breiten, von Wiesenhängen geprägten Bergtal finden sich Stirnmoränen ehemaliger Gletschertätigkeit, die bis in die Mulde mit dem Glatzbach reichen. Nach der Glorer Hütte verläuft der Weg parallel zur Materialseilbahn auf zum Teil erdigem Steig und über einige kleinere Bächlein weiter talwärts zwischen Bergwiesen hinunter, wo man sich zum Schutz der Natur auf dem Steig halten sollte.

Schließlich mündet der Steig in einen breiten Weg, der zum Lucknerhaus führt. Etappenziel und Ende des Adlerweges Osttirol! Oder der schöne Beginn, wenn man ihn von dieser Seite aus in Angriff nimmt.

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